Waldorfpädagogik allgemein oder „Unsere Grundlage“

Die Waldorfpädagogik will beim Kind Kopf, Herz und Hand erziehen. Dies bedeutet, dass die Waldorfschule Wert darauf legt, Verstand, Gefühl und Willen der Schülerinnen und Schüler gleichermaßen zu fördern und auszubilden – und zwar in umgekehrter zeitlicher Reihenfolge. In Unter- und Mittelstufe geht es um ein möglichst gefühlsdurchdrungenes, bildhaftes Unterrichten und die Förderung des kindlichen Lern- und Leistungswillens. Dies bereitet den fruchtbaren Boden für das kognitiv-verstandesmäßige Durchdringen des Lernstoffs in der Oberstufe. In allen Klassen der Waldorfschule werden körperliche Bewegung, Handarbeiten und künstlerische Tätigkeiten gepflegt. Gemäß dem erweiterten Kunstbegriff Rudolf Steiners soll aller Unterricht, auch in den kognitiven Fächern wie Sprachen oder Naturwissenschaften, vom Lehrer künstlerisch gestaltet werden. In diesem Sinne spricht die Waldorfpädagogik von „Erziehungskunst“.

Die Erziehungskunst kann „nur auf einer wirklichen Erkenntnis der menschlichen Wesenheit aufgebaut werden.“ (Rudolf Steiner)

Methodisch-didaktische Grundlage des Unterrichtens an der Waldorfschule ist Rudolf Steiners „Allgemeine Menschenkunde“. Ziel der Waldorfpädagogik ist es, das Kind zum freien Menschen zu erziehen, der in der Lage ist, seine persönlichen Standpunkte im Leben zu finden und seine Biographie entsprechend gestalten zu können. Die Waldorfschule dient also dem Kind darin, diese individuelle Freiheit als Erwachsener zu erlangen. Der klassische Bildungskanon ist der Rahmen, in dem die spezifische Methodik und Didaktik der Waldorfschule stattfinden. Für Steiner ist die Tätigkeit des Lehrers ein künstlerischer Prozess, der von der Lehrerindividualität stets neu geschöpft werden muss. Dieser künstlerische Prozess ergibt sich aus dessen täglich neuer Wahrnehmung der einzelnen Kinder, der Klasse und ihrer Bedürfnisse. In diesem Sinne ist der Waldorflehrer „Erziehungskünstler“ mit einem besonderen schöpferischen Auftrag und einer besonderen pädagogischen Verantwortung. Daher ist auch der Lehrplan in der Waldorfschule elastisch und nimmt Fragestellungen auf, die sich situativ aus den aktuellen stofflichen und menschlichen Bedürfnissen der Klasse ergeben. Rudolf Steiner nennt das auch „aus dem unmittelbaren Leben heraus unterrichten“.

Unser Motive – Unsere Praxis

Sprachen: Englisch und Russisch

Ab der 1. Klasse beginnen wir mit Englisch und Russisch als Fremdsprachen. Methodisch geht es dabei um die ganzheitliche Ansprache des Kindes mit Bewegung, Singen, Sprechen, Szenischem und gestalterischen Arbeiten rund um die Kulturkreise dieser Sprachen. Der Lehrer ist dabei Kulturträger und vermittelt vornehmlich einsprachig die lebendige Sprache, während das Kind eintauchen darf. Dabei findet unter anderem eine starke Gehörschulung und -entwicklung durch beide Sprachen statt. Der Unterricht ist in Epochen von 3- 4 Wochen einmal täglich in den unteren Klassen. Es lösen sich Englisch- und Russischepochen aufeinander folgend ab.

In der Mittelstufe ab der 5. Klasse sind die Klassen geteilt in Gruppen von ca. 15 Schüler*innen, um das individuelle Sprachenlernen mehr zu fokussieren. Später hat jeder Schüler statt Epochen ab der 6. Klasse in Englisch und in Russisch 3 Stunden pro Woche.

Die beiden Sprachen sind im Abitur mündliche oder schriftliche Prüfungsfächer. In der 12. Klasse entfällt das Russische für die Realschüler, das bis in die 11. Klasse von allen gelernt wird.

In der Regel gibt es die Möglichkeit, an einem Schüleraustausch mit Moskauer Waldorfschülern oder aus einer Dorf-Patenschule teilzunehmen oder einen individuellen Aufenthalt im russischsprachigen Ausland in die Schullaufbahn einzufügen.

Für das Englische wird angestrebt, möglichst im englischsprachigen Raum das  Sozialpraktikum mit 3 – 7 Wochen abzuhalten. Auch hier werden individuelle Auslandsaufenthalte in der Regel gerne ermöglicht.

Die beiden Fremdsprachen mit der obligatorischen Weltsprache Englisch und dem Russischen werden als für unsere Schüler in geeigneter Weise ergänzend angesehen: Das Russische lautlich und lexikalisch als „echte“ Fremdsprache mit hohem Potential an sprachlicher Stärkung von Gehör- und Gedächtniskräften steht ergänzend da zum vertrauteren, dem Deutschen ähnlicheren Englischen. Auch in ihrer grammatischen Struktur erlernen die Schüler*innen die gegenüber dem Deutschen verfeinerte Verbalgrammatik des Englischen und die dem Lateinischen an Komplexität vergleichbaren Nominalgrammatik des Russischen. Auch kulturell ist die Spanne zwischen dem europäischen Westen und Osten bereichernd für unseren Kulturkreis in der Mitte Europas. Besonders in Weimar sehen wir uns in der Verantwortung, sich verschiedensten Kulturen der Welt zu öffnen.

Naturwissenschaften und Mathematik:

Phänomenologischer Ansatz – Sokratische Erarbeitung – Erweiterbare Begriffsinhalte

Den Ausgangspunkt einer jeden Erkenntnisarbeit bildet die Erfahrung. So stehen auch im naturwissenschaftlichen Unterricht der Oberstufe stets Experimente, bzw. Experimentreihen am Beginn der Erarbeitung neuer Zusammenhänge. Im Allgemeinen werden daher jeden Tag neue Experimente vorgeführt oder von den Schülerinnen und Schülern selbst durchgeführt. In der Mathematik stehen an dieser Stelle Erfahrungen, die von den Schülerinnen und Schülern selber an der Bearbeitung umfangreichen Zahlenmaterials, etwa in Tabellen oder Aufgabenserien, oder an speziellen Konstruktionen gemacht werden können.

An den beobachteten Erscheinungen und Prozessen werden die fachspezifischen Begriffe gebildet, die es erlauben, Zusammenhänge in geeigneter Weise zu beschreiben. Dabei wird zunächst vor allem Wert darauf gelegt, dass die Begriffe so erarbeitet werden, dass ihre Inhalte sich charakterisierend herauskristallisieren. Diese qualitative Beschreibung und Durchdringung wird immer wieder bis in die quantitativ-formale Darstellung von Zusammenhängen fortgeführt. Dabei wird vielfach auf früher Erarbeitetes zurückgegriffen und die Begriffsinhalte werden so erweitert und umfangreicher. Die beschriebene phänomenologische Methode steht im Vordergrund, modellorientierte Ansätze treten besonders in der höheren Oberstufe daneben. Der Vergleich beider Methoden erlaubt es, auch erkenntnistheoretische Fragen anzureißen.

Der Unterricht findet vorrangig epochenweise statt. Die tägliche zweistündige Arbeit an einem Thema über jeweils drei oder vier Wochen ermöglicht es, die Arbeit kontinuierlich fortzuführen. Dies geschieht dadurch, dass die an einem Tag gezeigten Experimente oder am Zahlenmaterial gemachten Erfahrungen, am folgenden Tag im Unterrichtsgespräch die Grundlage für eine Erarbeitung von Zusammenhängen und Gesetzmäßigkeiten bilden. Diese werden, vom Lehrer oder der Lehrerin fragend initiiert, von den Schülerinnen und Schülern im Unterrichtsgespräch selber geleistet. Die sokratische Methode verlagert das Hauptgewicht der Erkenntnisarbeit auf das selbstständige Denken und Urteilen der Klassengemeinschaft. Damit wird auch methodisch ein starkes Augenmerk auf ein wesentliches Ziel des naturwissenschaftlich-mathematischen Unterrichts gelegt- die Ausbildung des eigenständigen Denk- und Urteilsvermögen der Jugendlichen.

Im Fach Mathematik gibt es neben den Epochen wöchentliche Übstunden.

Das Fach Mathematik wird sowohl beim Realschulabschluss, als auch beim Abitur schriftlich geprüft (im Abitur auf grundlegendem Anforderungsniveau). Im Abitur wird darüber hinaus mindestens eine Naturwissenschaft geprüft.

  • Weitere Informationen folgen in Kürze.

Solo-Abschluss in der 11.Klasse: In dem 11.Schuljahr liegt der Schwerpunkt auf den individuellen Arbeiten der Schüler. In dem ersten Hälften des Schuljahres bereiten die Schüler den Solo-Abschluss vor. Dazu suchen sie sich ein bestimmtes Musik- oder Textstück aus, mit dem sie ein halbes Jahr lang arbeiten. Diese Aufgabe kann alleine oder als Duo, selten auch als Trio, umgesetzt werden und lässt den Ideen und Vorstellungen der Schüler, das gewählte Stück zu präsentieren, freien Lauf. Die Entstehung der Formen, jegliche Gestik, die Kostüme und Beleuchtung sind den Schülern komplett selbst überlassen. Die Ergebnisse haben die Schüler beim Solo-Abschluss präsentiert.

Eurythmieabschluss in der 12.Klasse: Am Ende des Eurythmieunterrichts, der von Klasse 1 bis Klasse 12 erteilt wird, steht der Eurythmieabschluss. Hier entscheidet sich die Klasse für ein eigenes Projekt, das z.B. die eurythmische Darstellung eines Märchens, eines musikalischen Stückes, oder die Interpretation von Gedichten sein kann und der Schwerpunkt auf den selbständigen Gruppenarbeiten der Schüler und der gemeinsamen Bewegung der Gruppe hat. Hier sollen erworbene Fähigkeiten und kreative Selbstbestimmung im gemeinsamen Tun zusammenfließen. Das Projekt wird dann in einer Aufführung den Schülern und Eltern der Schule präsentiert.

Musik – Hören lernen als soziale Kompetenz

Dem Musikalischen wird an der Schule ein besonderer Raum gegeben. Die Schüler üben durch das Singen, das Flötespielen, das Musizieren in einer Klassengemeinschaft (Klassenorchester) und  klassenübergreifend einerseits das Lauschen und Hören. Dies ist eine wesentliche Grundlage für die Ausbildung sozialer Kompetenzen. Das Musikalische hilft Äußeres zu verinnerlichen, gleichzeitig die Gefühle zu verobjektivieren – ein wesentlicher Entwicklungsschritt hin zum freien Menschen. Andererseits erlernen sie sich musikalisch auszudrücken.

Die Ausbildung des Gefühlslebens, die im Schulalter stattfindet, ermöglicht u.a., sich der Umwelt und anderen Menschen vollumfänglich zuwenden zu lernen.

Es ist uns ein Anliegen, dass die Kinder neben der Flöte auch noch ein weiteres Instrument erlernen, wobei wir den Eltern beratend zur Seite stehen (in Elternabenden und auch in individuellen Gesprächen), welches Instrument in welchem Alter und für welches Kind geeignet sein kann. Die Bindung von Instrumentallehrern an die Schule, v.a. auch die musikalische Nutzung der Räumlichkeiten am Nachmittag wird angestrebt.

Um den Musikunterricht für alle Klassen auch in der Mittelstufe zu verstärken, haben wir im Schuljahr 2020/21 zusätzlich einen Musiklehrer eingestellt.

Die reichen Weimarer Chor- und Orchesterangebote für Kinder und Jugendliche veranlassen uns momentan, Chor- und Orchesterarbeit in der Oberstufe projektartig zu gestalten, als durchgehend anzubieten.

Nachmittagsbetreuung (Hort)

Nachmittagsbetreuung für die Klassen 1 bis 4: Während der Schulzeit ist der Hort von Montag bis Freitag von 11.45 bis 17 Uhr geöffnet.

Nachmittagsbetreuung für die Klassen 5 und 6: Während der Schulzeit bieten wir von Montag bis Freitag ab Unterrichtsschluss in den Klassenräumen und auf dem Schulgelände eine verlässliche Betreuung bis 15:00 Uhr an.

Ausatmen am Nachmittag: Der Hort unserer Schule will den Kindern einen freien Spiel- und Lebensraum eröffnen, in dem sie ihre eigenen Fähigkeiten und Gestaltungskräfte selbstständig ausbilden können.

Nach dem für alle Kinder verpflichtenden Vormittag in den Klassen stehen am Nachmittag nach dem Mittagessen klassenübergreifend das freie Spiel und die individuelle Beschäftigung im Vordergrund. Dafür bieten neben den beiden Horträumen eine Werkstatt im Keller, der Schulhof und nicht zuletzt der Hortgarten mit seinem Umfeld (Wäldchen, Graben, Wiese) auf der anderen Seite der Ilm vielfältige Möglichkeiten.

Der Hort ist möglicherweise der Ort an der Schule, an dem Zeit wahrlich wie im Fluge vergeht, an der die höchste Bewegungsdichte und -geschwindigkeit zu beobachten ist und sich Situationen ständig verändern und dabei doch erstaunlich verlässlich für die Kinder sind. Seit 10 Jahren arbeiten wir mit großer Freude zu viert: drinnen und draußen – gestaltend, pflegend, ordnend – spielend und werkend.

Die Hortkollegen: Ralf Buchmann, Sabine Reimann, Nicola Weber, Yvonne Suck

Frühhort für die Klasse 1 bis 4: Die Kinder der Klassen 1–4 finden ab 7 Uhr in den Räumen des Hortes bis 7.45 Uhr fürsorgliche Aufnahme. Ab 7. 30 Uhr kommende Kinder werden durch eine Aufsicht auf dem Schulhof betreut. Mit Öffnung des Schulhauses ab 7. 45 Uhr gehen alle Kinder in ihre Klassen. Kinder der Klasse 1b (Oettern) werden aus dem Frühhort bis zur Abfahrtstelle des Sammeltransportes begleitet (Abfahrt 8 Uhr). Verantwortlich: Herr Buchmann

Ferienbetreuung: In den Ferien betreuen und verpflegen wir in der Zeit von 7 bis 17 Uhr Kinder der Klassen 1–3. Dafür stehen 30 Plätze zur Verfügung. Hierfür sind die Kinder bis zum Mittwoch vor Ferienbeginn anzumelden. Die Anmeldung wird mit Bezahlung des Unkostenbeitrages von 5 EUR / Tag verbindlich. Abmeldungen sind bis 8 Uhr des jeweiligen Tages möglich. Bis spätestens 3 Wochen nach Ferienende erstatten wir auf Anfrage den entrichteten Unkostenbeitrag bei rechtzeitiger Abmeldung zurück.

Klassenlehrerzeit 1. – 8. Klasse

Die grundlegende Allgemeinbildung wird in den ersten acht Schuljahren durch die Persönlichkeit des Klassenlehrers im Rahmen von Hauptunterricht und Epochenunterricht vermittelt. Die durch den intensiven täglichen Kontakt von Klassenlehrer und Schülern entstehende besondere Vertrautheit bildet einen besonderen Wärme-, Erkenntnis- und Gestaltungsraum. Der Klassenlehrer beobachtet und fördert über Jahre die individuelle Entwicklung jedes Kindes.

Wichtige Prinzipien der Waldorfpädagogik in den ersten acht Schuljahren sind:

Epochenunterricht: Wir gehen davon aus, dass ein Kind tiefer in schulische Themen eintauchen und sich mit ihnen verbinden kann, wenn diese täglich über einen Zeitraum von drei bis vier Wochen unterrichtet werden, als wenn der gleiche Unterricht stundenweise über das ganze Jahr verteilt stattfände. In diesem Sinne werden die geistes- und naturwissenschaftlichen Kernfächern als Blockunterricht erteilt.

Hauptunterricht: Im so genannten Hauptunterricht wird die jeweilige „Epoche“ als Doppelstunde zu Beginn des Tages unterrichtet. Der zeitliche Umfang des Hauptunterrichtes bietet mehr Gestaltungs- und Wirkmöglichkeiten als eine klassische 45-Minuten-Stunde.

Nachahmung: Die Waldorfpädagogik arbeitet im Unterricht der ersten beiden Schuljahre noch mit den kindlichen Nachahmungskräften. Diese Kraft ermöglicht den Schülern ein unmittelbares, gefühlsmäßiges Eintauchen in das zuLernende.

„Nachfolge und Autorität“: Naturgemäß schwinden im Alter von 9-10 Jahren die kindlichen Nachahmungskräfte allmählich. Nun sind es die menschlichen „Vor-Bilder“, an denen das Kind in den nächsten Schuljahren nicht nur am meisten und am nachhaltigsten, sondern auf gesunde Weise lernt. Wir gehen also davon aus, dass es dem Kind bis zu einem bestimmten Alter ein inneres Bedürfnis ist, sich einer Autorität anzuschließen. Die Waldorfpädagogik nennt dieses Prinzip „Nachfolge und Autorität“.

Bildhaftes Unterrichten: „Dem Bild eignet eine belebende, schöpferische Kraft, die dem bloßen Begriff nicht innewohnt.“ (Rudolf Steiner)

Auf dem Weg zum bestmöglichen unterrichtlichen Erfolg geht die Waldorfschule davon aus, dass ein mit vielen Empfindungen und Gefühlen durchsetztes Lernen in den unteren und mittleren Schuljahren (Klasse 1-8) weitreichendere und nachhaltigere Lernprozesse veranlagt als abstraktes Vermitteln von Fakten und Wissen. Bildhaftes Erleben des zu Lernenden bereichert demnach die Vorstellung der Kinder und veranschaulicht ihnen Gedanken oder Begriffe. Auf diese Weise wird das zu Lernende tief und fest in der kindlichen Seele verankert. Die Kinder lernen hörend, sprechend, singend und spielerisch. Die Unterrichtsinhalte werden im so genannten „bildhaften Unterricht“ allmählich konkretisiert und am Ende begrifflich erfasst.

Religiosität: Eine natürliche, konfessionslose und christlich geprägte „Religiosität“ ist in der Waldorfschule ein wichtiges Erziehungsmittel. Die Begegnung mit der von einer Höheren Macht „geschöpften“ Welt sowie die Gewissheit, dass die Welt einen geistigen Urgrund und ein ebensolches Ziel hat, helfen dem Kind, einen lebensbejahenden Standpunkt zu entwickeln.

Klassengemeinschaft: In der Waldorfschule gibt es keine Tests, Noten oder Sitzenbleiben. Dadurch bleiben die Kinder einer Klasse viele Jahre lang zusammen und bilden eine Lerngemeinschaft. Über Jahre wachsen so Kenntnis und Verständnis für die individuellen Fähigkeiten und die Entwicklung jedes einzelnen Schülers. Die Schülerinnen und Schüler üben dabei in besonderer Weise Verantwortlichkeit, Hilfsbereitschaft und den Umgang mit Konflikten.

Oberstufe 9. – 13. Klasse

Die Schüler*innen der Oberstufe streben nach eigener Lebensgestaltung und Urteilsbildung. Sie suchen in einer widersprüchlichen Welt ihren eigenen Standpunkt. Die entsprechend der Klassenstufe nach übergeordneten Leitmotiven ausgewählten Inhalte und deren Vermittlungsweise sollen den Schüler*innen die Entwicklung einer freien Persönlichkeit und eines damit verbundenen eigenständigen und verantwortungsvollen Urteils ermöglichen.

Wenn die Jugendlichen in die Oberstufe eintreten, endet für sie die Klassenlehrerzeit. Sie werden nun von ein bis zwei Klassenbetreuer*innen n begleitet und alle Fächer werden von Fachlehrer*innen übernommen. Was in der Unter- und Mittelstufe bildhaft angelegt wurde, greifen die Oberstufenlehrer*innen jetzt in einer stärker wissenschaftlichen und begrifflichen Form vertieft so auf, dass es den Jugendlichen Antworten auf deren Lebensfragen geben kann und Perspektiven für die Zukunft aufzeigt.

Natur- und geisteswissenschaftliche Fächer werden in der Oberstufe in Epochen unterrichtet, da dadurch eine intensive und konzentrierte Auseinandersetzung mit einem Unterrichtsthema möglich wird. Wöchentliche Übstunden in einzelnen Fächern ergänzen dies. Handwerkliche und künstlerische Fächer besitzen für uns einen sehr hohen Stellenwert und werden sowohl in Epochen als auch wöchentlichen Stunden unterrichtet.

In der 9. Klasse werden die Schüler*innen im Unterricht mit Idealen in Verbindung gebracht, an denen sie ihre eigenen Impulse für ein zukünftiges Handeln entdecken können. Es ist Leitmotiv des Unterrichtes, die Jugendlichen in ihrer Umbruchsituation, beim Finden ihres neuen Verhältnisses zu sich selbst und der sie umgebenden Welt zu unterstützen und zu fördern.

Die 10. Klasse widmet sich besonders der Frage nach Gesetzmäßigkeiten, an denen das genaue analytische Denken geschärft wird und sich die Schüler*innen Weltzusammenhänge erschließen. Die dadurch gewonnen Erkenntnisse von der Welt schaffen Sicherheit in einer Lebenszeit, in der das Gewohnte, Alte hinterfragt wird.

In der 11. Klasse wird das Gespür der Jugendlichen für ihren eigenen Innenraum, die eigenen Möglichkeiten, Grenzen und Werte sehr lebendig und es entstehen Fragen nach biografischen Zusammenhängen und dem Verhältnis des Einzelnen zum Ganzen. Der Unterricht wird besonders die Urteilsfähigkeit im Sozialen, aus der sich schöpferisches Handeln für die Gemeinschaft entwickeln kann, fördern.

Die Schüler*innen der 12. Klasse stellen sich nun sich als Erwachsene der Frage, ob sie selbst Lebensräume verantwortlich mitgestalten werden und wollen. Dazu dient unter anderem der Waldorfschulabschluss mit der Jahresarbeit, den künstlerischen Abschlüssen, dem Theaterprojekt und der Kunst- bzw. Architekturfahrt.

In 13. Klasse findet für die Schüler ausschließlich Prüfungsvorbereitung in den 8 Abiturfächern statt.

Unterrichtsgliederung in der Oberstufe:

Epochen im Hauptunterricht: Astronomie, Mathematik, Deutsch, Geschichte, Geographie, Physik, Chemie, Biologie und Kunstgeschichte.

Wöchentlichen Fachstunden: In den Klassen 9 – 12 werden folgende Fächer unterrichtet: Mathematik, Deutsch, Russisch, Englisch, Sport, Eurythmie und Musik. Daneben gibt es u.a. auch Unterricht in Sozialkunde und Informatik.

Handwerklich-Künstlerischen Epochen: In den Klassen 9 – 11  werden u.a. folgende Epochen unterrichtet: Schmieden, Metallwerken, Kupfertreiben, Tischlern, Schneidern, Plastizieren, Mikroskopieren, Baumpflege.

Abschlüsse

An der Waldorfschule Weimar werden neben dem zentralen Abschluss der 12. Klasse, dem Waldorfabschluss weitere als staatliche Abschlüsse wie Hauptschulabschluss, Realschulabschluss und Abitur angeboten.

a) Waldorfabschluss

Der Waldorfschulabschluss findet in der 12. Klasse statt. Er hat drei Bestandeile: das Klassenspiel der 12. Klasse, die Jahresarbeiten und ein künstlerischer Abschluss. Er ist fester Bestandteil des Konzeptes der 12. Klasse und wird in der Dokumentation des Waldorfabschlusses bescheinigt.

In dem selbst inszenierte Klassenspiel, bei dem der Schüler sowohl eine Einzelleistung als auch eine Zusammenarbeit in der Gruppe zeigen soll, sind die Aufgaben vielfältig und reichen von der Arbeit an der Sprache und Schauspielkunst bis hin zu Kostüme entwerfen und nähen, Probepläne erstellen und Kulissen bauen.

Im Rahmen der Jahresarbeit setzen sich die Schüler mit einem selbstgewählten Thema praktisch-übend und gedanklich auseinandersetzen, verfassen einen schriftlichen Teil und präsentieren abschließend ihre Ergebnisse vor der Schulgemeinschaft.

Ein Künstlerischer Abschluss findet in einem gemeinschaftlichen Projekt in Eurythmie und/oder Musik statt und wird durch die Kunst- und Architekturreise ergänzt. In der Eurythmieabschluss entscheidet sich die Klasse für ein eigenes Projekt, das z.B. die eurythmische Darstellung eines Märchens, eines musikalischen Stückes, oder die Interpretation von Gedichten sein kann und der Schwerpunkt auf den selbständigen Gruppenarbeiten der Schüler und der gemeinsamen Bewegung der Gruppe hat. Hier sollen erworbene Fähigkeiten und kreative Selbstbestimmung im gemeinsamen Tun zusammenfließen. Das Projekt wird dann in einer Aufführung den Schülern und Eltern der Schule präsentiert.

b) staatliche Abschlüsse

Der Hauptschulabschluss erfolgt in Ausnahmefällen und in Rücksprache mit der Klassenkonferenz und den Eltern bzw. Schülern. Ziel des Hauptschulabschlusses ist es, den Weg am Ende der 10. Klasse ins Berufsleben zu ermöglichen. In Ausnahmefällen kann auf Antrag der Schulbesuch an der Freien Waldorfschule Weimar fortgesetzt werden.

Der Realschulabschluss findet für Schüler der 12. Klasse statt. Diese werden durch ein gesondertes Verfahren den Orientierungsgesprächen zwischen Lehrern, Eltern und SchülerInnen ermittelt. Ziel des Realschulabschlusses ist es, den Weg in Ausbildungs- und Lehrberufe oder an weiterführende Schulen zu ermöglichen. Nach Ablegen des Realschulabschlusses, der von einer staatlichen Regelschule durchgeführt wird, endet für die Schüler der 12. Klasse die Schulzeit an der Freien Waldorfschule Weimar. Die Abiturprüfung findet am Ende der 13. Klasse statt. Die Vorbereitung auf diese staatliche Prüfung, an der die Freie Waldorfschule einem staatlichen Gymnasium als Prüfungsschule untergeordnet ist, beginnt im 12. Schuljahr. Die Befähigung zum Besuch der Abiturgruppe wird ebenfalls durch das Verfahren Orientierungsgespräche ermittelt.

Praktika in der Oberstufe

Wichtiger Bestandteil des Oberstufenkonzeptes bilden die reichhaltigen Praktika, die in den Klassen 9 bis 12 stattfinden. Die Praktika setzen zu dem Zeitpunkt ein, in dem es darum geht, die selbständige Entwicklung der SchülerInnen zu fördern, indem ihr Interesse besonders auf die sie umgebende Welt gerichtet wird. Die Erfahrungen des „wirklichen“ Lebens mit verantwortlichem Tätigsein am Arbeitsplatz sind neben dem schulischen Lernen eine notwendige Voraussetzung für eine differenzierte Urteilsbildung. Sie schaffen die Grundlage für eine lebenspraktische Ausbildung. Solche, meist intensiv erlebte Erfahrungen, können eine Orientierung geben. Hier haben sich die SchülerInnen mit konkreten Aufgaben der Arbeitswelt auseinander zu setzen, mit der Umwelt und mit den Mitmenschen.

Folgende Praktika sind fester Bestandteil des Oberstufenunterrichtes:

9. Klasse:                   Forstpraktikum (3 Wochen)

10. Klasse:                   Vermessungspraktikum (2 Wochen)

                                     Handwerkspraktikum (3 Wochen)

11. Klasse:                   Sozialpraktikum (3 – 10 Wochen)

12. Klasse:                   Landbaupraktikum (2 Wochen)

                                      Kunst- und Architekturreise (1 Woche)

Daneben findet regelmäßig ein Russlandaustausch statt: Seit 2003 fahren Schülerinnen und Schüler der Oberstufe mit Unterstützung der Stiftung DRJA nach Russland zum Landgut Jasnaja Poljana des großen Romanciers Lev Tolstoj und zum Schüleraustausch mit der Schule in Selivanovo, einem Dorf dort in der Nähe. 2016 ging es erstmalig für die 10. Klasse zum Schüleraustausch nach Moskau.

Pädagogische und therapeutische Ergänzung

Pädagogische und therapeutische Ergänzung

Ein Beitrag zur ganzheitlichen Entwicklung der Kinder ist neben der Eurythmie als Unterrichtsfach die Heileurythmie. Ihre Bewegungsformen sind stärker auf den Leib als die Gruppenempfindung im Unterricht abgestimmt. So ermöglicht sie als therapeutische Unterstützung den Kindern in der Bewegung eine ganz persönliche Begegnung mit ihrem eigenen Wesen. Sie können darin ihre Kräfte ins Gleichgewicht bringen, erwecken und stärken. Dieser Vorgang bewährt sich bei der Förderung der allgemeinen Entwicklung, der Salutogenese und der Behandlung konkreter Krankheiten.